30. Volksversammlung und Rückkehr eines "Abtrünnigen"
Arthur war, zusammen mit Sir Lancelot und Sir Leon, auf dem Weg nach Camelot. Sie waren nirgends auf eine Gefahr gestoßen, und so kamen sie schließlich in Camelot an.
Arthur sah mit Erleichterung, dass sein Reich noch stand. Es war anscheinend nicht angegriffen worden; und es machte auch noch nicht den Eindruck, als wäre Morgana in mittelbarer Nähe. Zumindest war es noch hell, als er und die Ritter, in Begleitung mit Jade, dort eintrafen. Arthur erinnerte sich mit Schaudern daran, dass Merlin ihm von tiefer Dunkelheit erzählt hatte, die er in seiner Vision "gesehen" hatte.
Doch nun wollte er nicht weiter über Merlin nachdenken. Es gab wichtigeres. Als sie kurz vor dem Schloss ankamen, sah er weitere Ritter auf sie zukommen, die in der Zwischenzeit auf sein Schloss und die Umgebung acht gegeben hatten. Sie zeugten ihm die Achtung, die ihm als König zustand, und er ließ es kurz zu, dann stieg er vom Pferd. Auch Sir Leon und Sir Lancelot stiegen ab. Lancelot half Jade noch herunter, dann blickten sie zu ihrem König.
Arthur wusste, was sie von ihm erwarteten. Es wurde Zeit. Er wandte sich an alle, die um ihn herum standen: "ich werde eine Versammlung auf dem Marktplatz abhalten! Sorgt dafür, dass das Volk Camelots anwesend ist. Sie sollen sich spätestens in einer halben Stunde auf dem Markplatz versammeln. Ausnahmslos, und, beziehungsweise vor allem, die magisch begabten. Jade, du kannst dich so lange in deinem Zimmer ausruhen; wenn die Versammlung anfängt, will ich dich ebenfalls dort sehen! Und nun Geht!" sprach er, noch einmal an die Ritter gewandt.
Diese nickten, und holten ihre Pferde; dann ritten sie fort, um jeden Bewohner Camelots darüber zu informieren. Sie wussten mittlerweile, auch dank Merlin, wo sich ebenfalls magisch begabte Wesen aufhielten. Und sie ließen auch die Wälder nicht aus, wo eventuell noch welche versteckt sein könnten.
Der Ruf des Königs wurde erhört. Nach und nach kamen alle aus ihren Wohnstätten, ob es Häuser waren oder anderes, und versammelten sich auf dem Markplatz. Arthur hatte eine halbe Stunde anberaumt, doch innerlich hoffte er, dass er früher anfangen konnte. Auch, wenn von Morgana nichts zu sehen war, er traute dem Frieden nicht. Nicht, nachdem was Merlin gesehen hatte. Ja, Arthur machte sich Sorgen. Er stand bereits auf dem Platz, wartete aber trotzdem noch ab, bis dieser sich langsam aber stetig füllte. Arthur konnte sehen, wie er voller wurde. Aus allen Richtungen kam das Volk, manche von ihnen kannte er, andere hatte er noch nie gesehen, und er ahnte, dass diese, auch wenn sie menschlich aussahen, dennoch magisch sein mussten. Doch er bemerkte auch andere Wesen. Schließlich sah er auch Jade, die seinem, als guter Rat getarntem Befehl wohl gefolgt war, und zumindest ein wenig ausgeruht aussah. Neben ihr stand Gaius, der ebenfalls besorgt wirkte. Hatte Jade ihm alles erzählt, was geschehen war? Einschließlich Merlins Frevel? Er wusste es nicht, konnte es sich allerdings denken.
Schließlich war die von ihm anberaumte halbe Stunde vorüber. Der Markplatz war brechend voll, und er entschloss sich, selbst wenn noch einige hinzu kommen würden, jetzt anzufangen.
Er stellte sich in Positur, und nickte seinen Rittern zu, die sich in die erste Reihe gestellt hatten. Sir Leon, Sir Lancelot und noch zwei weitere seiner engsten Ritter stellten sich direkt neben ihn, die anderen blieben wo sie waren. Jeder von ihnen hatte das Volk genau im Auge. Auch, wenn sie sich mittlerweile an die veränderte Situation gewöhnt hatten, die seit fünf Jahren in Camelot und Umgebung herrschte, so war immer noch etwas Misstrauen in ihnen geblieben. Und wer wusste schon, ob sich vielleicht auch einige dunkle Magier dazu gemischt hatten? Weder der stärkste Zauberer, noch die Hüterin der Elemente, war bei ihnen. Und so hielten sie alle das Volk im Blick.
Doch Arthur wollte und konnte jetzt nicht daran denken. Er begann zu sprechen: "Ich habe euch alle hier versammelt, weil es eine Bedrohung gibt, die leider nicht abzuwenden ist. Es wird Schwärze über Camelot und die umliegenden Lande herein brechen. In Gestalt einer grausamen Hexe. Ihr kennt sie alle. Es ist meine ehemalige Ziehschwester Morgana; die vor einigen Jahren leider in die Fänge des Teufels geraten ist." Er hörte ersticktes Keuchen, als er den Namen "Morgana" aussprach. Seine Ritter und auch andere Kämpfer seines Landes wussten selbstverständlich über sie bescheid, doch das einfache Volk war nicht in alles eingeweiht. Und er wollte sie in Ruhe ihr Leben leben lassen, solange es eben ging. Leider war dies nun nicht mehr möglich. Er hob die Hand und es breitete sich erneut Schweigen aus. Aber er konnte die Spannung geradezu spüren.
Arthur fuhr fort: "Ich weiß, dass es eine sehr große Bedrohung ist, und ich kann leider nicht sagen, wann diese über uns herein brechen wird; aber DASS es geschieht, ist unausweichlich. Deswegen habe ich euch hier versammelt, zum einen, um euch zu warnen, und zum anderen, um euch darauf einzustellen, dass wir kämpfen müssen! Wir alle! Ohne Ausnahme. Wir alle müssen uns auf einen Kampf mit dem Bösen einstellen. Den wir sowohl gewinnen, als auch verlieren können - aber wir haben keine andere Wahl, als zu kämpfen. Und zu diesem Kampf werden wir alle aufgerufen sein: Natürlich sowohl ich, als auch meine Ritter, doch auch ihr, mein Volk. Und unsere Magier, Zauberer und andere magisch begabte, die alles dafür tun werden, um sich gegen Morgana zur Wehr zu setzen. Es muss uns gelingen, sie zu vernichten..."
Weiter kam er nicht, denn er wurde unterbrochen. Ein Mann trat hervor, der ihm entgegen schrie: "Und wie soll das funktionieren? Morgana ist eine schwarze Hexe, sie war fünf Jahre lang verschollen, nachdem sie Euren Vater getötet hat! Und damals war sie besessen! Dann kam sie vor einiger Zeit wieder, und hat Unruhe nach Camelot gebracht. Denkt Ihr, es hätte niemand mitbekommen, was um Euer Schloss herum geschehen ist? Wir wissen vielleicht nicht alles, aber dass es bereits einen Kampf gab, in dem sie sogar einige Eurer Ritter getötet hat, ist sogar bis zu uns hervor gedrungen! Und WIR sollen sie vernichten können? Wenn es noch nicht einmal Euren Rittern gelingt? Wie soll das funktionieren? Wir sind nur ein einfaches Volk!" Arthur wollte ihn unterbrechen, doch der Mann ließ ihn nicht. Er fuhr einfach fort, und Arthur wurde leicht wütend. Was maß sich dieser Mann an? Wenn es nicht todernst wäre, und sie jeden Mann brauchen würden, wäre er nahe an der Exekution...
Ob dies dem Mann klar war wusste er nicht, doch er hörte diesen weiter reden. Seine Stimme wurde immer aggressiver: "Davon abgesehen; ich sehe Euren Zauberer nicht. Den, der vielleicht tatsächlich, eventuell als einziger, in der Lage wäre, die Hexe zu bekämpfen und zu besiegen! Wo ist er? Wo ist Merlin?"
Es wurde kurzfristig still, da er aufgehört hatte, und man hätte ein Blatt auf den Boden fallen hören können. Dann erhob sich ein Sturm der Rufe, aus dem Volk: "Ja, wo ist er?" "Wo ist Merlin?" "Merlin ist der einzige, der sie bekämpfen kann".. Arthur spürte, dass es ihm beinahe zu entgleiten drohte.
Er wurde wütend. Zuerst einmal war ER der König, und er musste wieder Ruhe einkehren lassen. Zumal es ihn noch wütender machte, dass sein Volk anscheinend größeres Vertrauen in Merlin zu haben schien, als in ihn. Ihren König! Verdammt noch mal, ausgerechnet Merlin? Er hob erneut die Hand und polterte los: "Ihr wollte Merlin? Ich sage euch etwas über Merlin: Er ist nicht hier! Wir müssen leider ohne ihn auskommen; er hat sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen! Ob dieser Camelot und uns hilft, weiß ich nicht! Was ich aber weiß ist, dass wir auf keinen Fall aufgeben werden! Keiner von uns! Ich sage nicht, dass wir gewinnen werden; ja, es kann sein, dass wir und mit uns Camelot, untergeht! Aber nicht kampflos! Wir werden kämpfen; wir alle! Mit oder ohne Merlin. Wir haben genug andere Magier und Zauberer hier - und in diesem Augenblick sind ein weiterer meiner Ritter und Elle, die Hüterin der Elemente, dabei, noch mehr aus den umliegenden Landen zusammen zu trommeln. Wir werden Unterstützung erhalten - und dort wird es starke Magier geben - vielleicht sogar stärkere als Merlin? Wer weiß?"
Der Mann, der zuvor noch den Aufrührer gemimt hatte, war verstummt, und mit ihm auch alle anderen. Sie schienen zu überlegen. Doch über was eigentlich? Im Grunde hatten sie keine andere Option, als ihm zu folgen, er war ihr König, und er konnte keinen Aufruhr dulden. Allerdings wollte er sein Volk auf seiner Seite wissen, und es war ihm wesentlich lieber, wenn dieses sich ihm freiwillig anschloss, als dass er gezwungen war, es ihm zu befehligen. Mit allen Konsequenzen, die ein Ungehorsam mit sich brachte...
Dann hörte er etwas. Er und die Ritter wandten sich um, und hatten schon die Schwerter im Griff, doch sie bemerkten mit Erleichterung, dass es Sir Gwain und Elle, die Hüterin der Elemente waren, die mitsamt einem ganzen Trupp von vermeintlich magisch begabten Wesen ankamen. Es waren vermutlich mehr als Hundert, wie Arthur schätzte. Er war beeindruckt. Er wusste, dass es viele Magier in den umliegenden Landen gab, aber SO viele hatte er nicht gedacht. Einige hatten sich anscheinend doch sehr gut zu verstecken gewusst. Obwohl es eigentlich keinen Grund mehr dazu gab. Doch das war nun Nebensache. Die Magier und Zauberer stellten sich dazu, und der Marktplatz quoll beinahe über. Dann stiegen auch Sir Gwain und Elle von ihren Pferden, die von Dienern im Empfang genommen wurden, und beide gingen zu Arthur. Sir Gwain stellte sich neben Sir Lancelot und Sir Leon, Elle nahm Jade in den Arm, die auf sie zugelaufen war, und stellte sich neben Gaius, dem die Sorge immer mehr ins Gesicht geschrieben stand Doch noch konnte sie ihm nichts über Merlin erzählen. Sie wusste ja ebenso wenig wie Jade. Zumal jetzt auch der falsche Zeitpunkt zum Reden war. Dann standen sie erneut vor Arthur, und dieser nickte Elle zu. Sie hatte ihre Arbeit gut gemacht. Er musste nun fort fahren: "Nun sind wir wirklich vollzählig. Wie ich schon sagte, wir werden ohne den "großen Zauberer" meines Hofes auskommen müssen! Auch, wenn es vielleicht schwer vorstellbar ist! Aber wir werden es schaffen! Wir müssen! Und wenn die Hexe kommt, dann WERDEN wir ihr uns in den Weg stellen! Und ja, ich will ehrlich sein: Es wird Tote geben. Auch dies kann ich sagen, ohne ein Wahrsager zu sein. Doch wenn wir jetzt aufgeben, dann haben wir bereits verloren! Und das werde ich nicht dulden! Ich werde mein Land nicht kampflos aufgeben - und zu diesem Kampf brauchen wir euch. Euch alle!"
Er hatte den ganzen Pathos in seine Stimme gelegt, wie er es früher bereits getan hatte. Es war lange her, seit er das letzte Mal so eine Rede hatte halten müssen, dennoch hatte er nichts verlernt. Und nach einigen Sekunden der Ruhe, hörte er die ersten Schlachtrufe. Die wohl von denen ausgestoßen wurden, die zum Schluss gekommen waren. Und nach und nach schlossen sich alle anderen an. Er hatte das Volk da, wo er es haben wollte. Auf seiner Seite. Ausnahmslos, auch der Aufrührer von vorhin. Arthur sah davon ab, eine Strafe gegen ihn zu verhängen. Es war ohnehin der falsche Zeitpunkt dafür.
Er wollte gerade erneut ansetzen, etwas zu sagen, als er eine Stimme hörte. Eine Stimme, von der er nicht gedacht hatte, dass er sie überhaupt noch einmal hören würde...
Währenddessen waren Merlin und Leeana, weitestgehend schweigsam, den langen Weg zurück nach Camelot gelaufen. Merlin schwieg, weil er sich immer noch nicht über seine Gefühle im Klaren war. Natürlich war er überglücklich, Leeana von den Toten erweckt zu haben; dennoch wusste er, dass nun etwas bevor stand, das er nicht einordnen konnte. Zuerst einmal Arthurs Reaktion, wenn er - mit Leeana - zurück kehrte. Was würde er dazu sagen? Er konnte sich denken, dass Arthur wusste, was er tun wollte, aber wenn er merkte, dass es ihm tatsächlich gelungen war, würde er es so akzeptieren? Merlin erinnerte sich an den Moment vor fünf Jahren, als er Leeana schon einmal zurück geholt hatte. Damals war es ein wenig anders; Leeanas Seele war noch nicht vom Seelensammler geholt worden, oder in den Fängen des Todes gewesen. Aber er konnte sich erinnern, dass Arthur extrem misstrauisch gewesen war. Es hatte ihm eindeutig nicht gefallen. Und dieses Mal war Leeana wirklich tot gewesen. Würde er akzeptieren, dass sie zurück war? Merlin wusste es nicht, aber es blieb ihm nichts anderes übrig, als abzuwarten. Auch, was seine eventuelle Strafe anging, die der König gegen ihn aussprechen könnte. Er hatte seinen direkten Befehl missachtet. Und es tat Merlin in der Seele weh, wenn er daran dachte, dass dieser zumindest extrem enttäuscht von ihm sein würde. Aber jetzt riss er sich zusammen und lief stetig weiter. Er wollte Leeana gegenüber nichts weiter sagen, und die Stille, die sich ausbreitete, war beinahe greifbar.
Auch Leeana schwieg, weil sie nicht wirklich wusste, was Merlins Schweigen zu bedeuten hatte. Sie konnte sich denken, dass etwas nicht in Ordnung war. Was sie, kurz nach ihrem "Erwachen" heraus gefunden hatte war, dass Merlin sich wohl ohne Arthurs Wissen, und vermutlich auch ohne sein Einverständnis, auf den Weg gemacht hatte. Vermutlich hatte er deswegen Angst, zurück zu kehren? Aber Arthur würde ihn hoffentlich nicht allzu hart dafür bestrafen. Das konnte er nicht tun. Doch irgendwie ahnte Leeana, dass es noch etwas anderes gab, was ihn bedrückte, und dass sie eventuell in der Lage war, es herauszufinden, wenn sie seine Gedanken las. Sie wusste, dass sie es konnte, doch sie wollte nicht. Das wäre ein Eingriff in seine Privatsphäre, die sie zwar bereits durchbrochen hatte, aber jetzt und hier schien es ihr unangebracht zu sein. Zumal sie immer noch die Hoffnung hatte, dass er es ihr bald von selbst erzählen würde. Und so schwieg auch sie, und beide machten sich so schnell sie nur konnten, auf den Heimweg.
Auch Leeana kamen Gedanken hoch, wie der König wohl auf SIE reagieren würde. Würde er sie noch so sehen, wie zuvor? Er akzeptierte Magie in seinem Land, aber akzeptierte er auch "Untote"? War sie dies nun? Untot? Sie schauderte, als sie darüber nachdachte. Doch dann riss sie sich wieder zusammen. Sie fühlte sich lebendig. Beinahe lebendiger als jemals zuvor! Und sie war froh darüber, wieder bei Merlin zu sein. Noch dazu, wo sie gerade heraus gefunden hatten, dass sie sich liebten. Leeana lächelte, als sie an den Kuss dachte. Wenn dies hier ein gutes Ende nehmen würde, dann wusste sie, wo sie hin gehörte. Doch würde es ein gutes Ende nehmen? Leeana fröstelte erneut. Sie hatte keine Ahnung. Es lag noch so viel im Dunklen. Alleine die Tatsache, dass Morgana in der Lage war, alle Kräfte in sich aufzunehmen. Sie fragte sich immer noch, wie sie die Hexe eigentlich bekämpfen sollten...
Und so hing jeder von ihnen seinen eigenen, überwiegend trüben, Gedanken nach, und kamen Camelot immer näher.
Schließlich waren sie angekommen. Sie wussten beide nicht, wie lange es gedauert hatte, doch was sie sahen, ließ sie erst einmal beide erstarren. Auf dem Marktplatz war ein Volksauflauf zu sehen, beinahe so wie früher, als es noch Hinrichtungen gegeben hatte. Merlin fröstelte es erneut, als er an die "alten Zeiten" zurück dachte. Doch es gab keinen Uther Pendragon mehr, der dort stand, und den Befehl zur Hinrichtung gab, und dort war auch kein Schafott oder ähnliches aufgebaut. Merlin sah Arthur, seinen König, neben dem seine Ritter standen, und er hörte seine Rede. Zumindest einen Teil davon. Was er sagte, ließ ihn erschaudern. Sie hatten sicherlich nicht alles gehört, aber er verstand, dass Arthur hier und jetzt das gesamte Volk Camelots hatte zusammen rufen lassen, und nun vermutlich eine Motivations-Rede hielt. Ob es etwas brachte, wusste er nicht. Merlin spürte ebenfalls Magie um sich herum, also waren nicht nur Menschen, sondern auch Magier und Zauberer aller möglichen Güte und Rassen hier. Doch wussten diese auch, dass Morgana sich ihre Macht aneignen würde, wenn sie gegen diese ankämpfen würden? Er ahnte, dass Arthur das vermutlich - noch - nicht erwähnt hatte. Er konnte es durchaus verstehen, vermutlich hielt Arthur es für demotivierend, aber wenn er wirklich wollte, dass auch sie kämpften, dann mussten sie es wissen! Und dann hörte er etwas, was ihn wie ein Tritt in den Magen traf.
Er hörte Arthurs Stimme: ...Wie ich schon sagte, wir werden ohne den "großen Zauberer" meines Hofes auskommen müssen! Auch, wenn es vielleicht schwer vorstellbar ist! Aber wir werden es schaffen! Wir müssen! Und wenn die Hexe kommt, dann WERDEN wir ihr uns in den Weg stellen! Und ja, ich will ehrlich sein: Es wird Tote geben. Auch dies kann ich sagen, ohne ein Wahrsager zu sein. Doch wenn wir jetzt aufgeben, dann haben wir bereits verloren! Und das werde ich nicht dulden! Ich werde mein Land nicht kampflos aufgeben - und zu diesem Kampf brauchen wir euch. Euch alle!"
Merlin schluckte. Auch Leeana hatte sich versteift, sie begriff Arthurs Worte ebenfalls. Beide hatten den tiefen Sarkasmus in seiner Stimme heraus gehört, als dieser "den großen Zauberer meines Hofes" gesagt hatte. Merlin glaubte, in sich zusammen zu fallen. Er hatte es gewusst. Alles Vertrauen, was sein König in den letzten Jahren in ihn gefasst hatte, war verloren. Und Leeana begriff ebenfalls, dass Merlin vermutlich mehr getan hatte, als ohne Arthurs Wissen, beziehungsweise Erlaubnis, zu handeln. Hatte er sich etwa dessen direktem Befehl widersetzt? Es würde zu dem passen, was sie gerade gehört hatte. Doch auch jetzt und hier war der falsche Zeitpunkt, mit Merlin darüber zu reden. Doch Leeana wusste, dass sie es tun musste! Wenn sie hier lebend aus dem heraus kommen würden, was nun unweigerlich folgte...
Und Merlin ahnte ebenfalls, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, sich dem König und dem Volk zu stellen. Auch, wenn es ihn theoretisch schon jetzt und hier den Kopf kosten konnte...
Er richtete sich auf, blickte kurz zu Leeana herüber, und nickte leicht mit dem Kopf. Diese sagte nichts, sie nickte nur zurück. In Leeanas Augen konnte Merlin Schmerz erkennen, Schmerz und Angst, und es tat ihm ebenfalls weh, doch er konnte es nicht ändern. Und im Grunde bereute er nichts von dem, was er getan hatte, er wusste nur, dass er sich hier und jetzt den Konsequenzen stellen musste. Wie auch immer diese nun aussehen würden.
Langsam lief er auf die Menge zu, die immer noch gebannt zu Arthur und den Rittern starrte. Er räusperte sich kurz, dann sagte er, laut und vernehmlich: "Ich bin hier, Mylord! Und ich werde ebenfalls alles tun, was in meiner Macht steht, um die drohende Gefahr von Camelot und allen anderen Landen abzuwenden. Denn DASS sie kommen wird, steht außer Frage. Und ich fürchte, es wird nicht mehr lange dauern." Mehr sagte er nicht, er war nur immer weiter auf den König zugelaufen, und die Menge teilte sich vor ihm, um ihn durchzulassen. Er spürte die Blicke, die sowohl ihn, als auch Leeana trafen, der es denkbar unangenehm war...
Auch Arthur hatte in seiner Rede eingehalten, als er Merlins Stimme vernommen und erkannt hatte. Zuerst hatte er gedacht, jemand spielte ihm einen schlechten Scherz, und wollte schon los poltern, dass es diesem sehr schlecht bekommen würde - doch dann realisierten sowohl er, als auch die Ritter neben ihm, dass es wirklich Merlin war, der dort auf sie zukam. Und sie erkannten ebenfalls die junge Frau, die ihm folgte. Zuerst war es still um Merlin herum, dann fingen erste Rufe an: "Der Zauberer, der Zauberer ist da!" Jubel brandete auf, der Arthur widerrum überhaupt nicht gefiel. Er hob erneut die Hand, und der Jubel verstummte. Merlin war ebenfalls still geworden, und blickte immer noch in Arthurs Richtung. Was würde nun folgen? Er hörte Arthurs Stimme: "Komm zu mir, Merlin!" Es klang hart. Merlin schluckte, dann lief er weiter, Leeana immer noch in seinem Schlepptau. Dieser war ebenfalls unwohl zu mute. Sie fühlte die Blicke des Volkes auf sich, und der Ritter, die sie zumindest musterten. Alle würden wohl kaum wisen, dass sie tot gewesen war; aber die, die es wussten, waren zumindest misstrauisch, das konnte sie spüren. Ihr Herz klopfte, als auch sie mit nach vorne trat. Dann kamen sie an Elle, Jade und Gaius vorbei, und sie spürte, wie sie in den Arm genommen wurde: "Leeana, du lebst?! Oh Herr, du lebst..." Leeana wollte antworten, doch sie spürte, wie Jade von ihr fortgezogen wurde. Sie sah Elle, die sie mit ihren braunen Augen sanft, und gleichzeitig besorgt, ansah. Sie schüttelte leicht den Kopf, und auch Leeana verstand, dass es hier und jetzt der falsche Zeitpunkt war, darüber zu reden. Auch das würde folgen. Sie blickten zu Arthur herauf, der sie ebenfalls kurz musterte. Sein Blick war stechend. Doch er gab ihr nicht den Befehl, zu ihm zu kommen, also blieb sie, wo sie war; zwischen Elle und Jade. Einige Ritter standen ebenfalls neben ihnen, was Leeana etwas unwohl werden ließ...
Merlin war weiter gegangen. Er hatte bemerkt, dass Leeana neben Elle und Jade Platz gefunden hatte, und er hatte auch Gaius bemerkt, der ihm mehr als besorgt hinterher schaute. Merlin konnte nicht weiter auf ihn achten, ihm war klar, dass Arthurs Befehl nur ihm gegolten hatte, nicht Leeana. Und so stieg er auf das Podest, auf dem Arthur und die fünf Ritter standen, und als er kurz vor Arthur angekommen war, sank er auf die Knie. Bevor Arthur etwas sagen konnte, sprach Merlin: "Verzeiht mir, Mylord. Ich weiß, ich habe mich Eurem Befehl widersetzt, und ich werde jede erdenkliche Strafe annehmen, die Ihr mir zu Teil werden lasst. Aber bitte glaubt mir, dass ich es nur getan habe, weil ich keine andere Wahl gehabt habe. Ich MUSSTE es tun. Tief in mir spüre ich auch, dass es einen tiefen Sinn hat, dass Leeana wieder lebt. Es wurde mir geweissagt, Mylord. Von einem höheren Wesen, das die Zukunft kennt..."
Weiter kam er nicht, Arthur fuhr ihm über den Mund: "Schweig, Merlin! Die Worte der Sphinx kenne ich auch! Doch sie sagte nichts davon, dass du eine Tote wieder zum Leben erwecken sollst! Obwohl sie es wohl irgendwie wusste, dass du dies tun würdest - gegen meinen ausdrücklichen Befehl!" Zum Schluss war er lauter geworden.
Das Volk war still geworden. Es hatte sich eine Spannung ausgebreitet, die beinahe greifbar war. Auch Elle, Jade und vor allem Leeana mussten schlucken. Gaius' Gesichtsfarbe war fahl geworden. Jetzt wusste Leeana es mit Sicherheit, dass Merlin sich einer Straftat schuldig gemacht hatte, die ihm den Kopf kosten konnte. Jetzt und hier! Und das nur ihretwegen. Aber würde Arthur wirklich so weit gehen? Nach fünf Jahren, in denen es nicht eine einzige Hinrichtung oder zumindest schwere Bestrafungen gegeben hatte, würde es ausgerechnet Merlin sein, den es erwischte? 'Bitte nicht! Nicht meinetwegen!' dachte Leeana, und Tränen rannen ihr über die Wangen.
Merlin fühlte Stiche in seinem Herzen. Doch er musste stark sein, für sich, und für Leeana. Er blickte Arthur langsam an, während er immer noch kniete. Dann sprach er weiter: "Mylord, bitte. Nein, ich meine nicht die Sphinx, diese sagte mir nichts dergleichen. Was sie zu Euch gesagt hat, weiß ich nicht. Aber ich habe in den Landen, in denen ich war, um meine Reise zu beenden, ebenfalls Wesen getroffen, die weise über uns blicken können. Eines davon kennt die Vergangenheit, eines die Gegenwart, und eines die Zukunft. Und dieses Wesen, das über die Zukunft wacht, sagte mir, dass es einen Sinn gibt, dass Leeana wieder zurück kehrt, zu den Lebenden. Ich konnte leider nicht heraus finden, was dies genau für ein Sinn ist, aber Leeanas Rückkehr wird für uns alle, für Euch und für Camelot, wichtig sein. Bitte glaubt es mir! Wie ich schon sagte, ich akzeptiere alles, was nun folgt, ich stehe in Eurer Schuld. Aber bitte straft nicht die, die am wenigsten dafür kann, was geschehen ist." Damit senkte er den Kopf erneut und blickte auf den Boden.
Arthur wusste nicht, was er sagen sollte. Zuerst fühlte er Groll in sich aufsteigen, als er plötzlich, und auch noch ohne wirkliche Vorwarnung, Merlin auf sich zukommen sah. Zudem noch in Begleitung einer... Ja was? Untoten? Auch ihm kamen diese Gedanken in den Sinn. Was war Leeana nun eigentlich? Sie kam aus dem Reich der Toten, und es war ähnlich, wie diese es sich bereits gedacht hatte: Arthur akzeptierte Magie in seinem Reich, aber es gab selbst für ihn immer noch Dinge, die zu weit gingen. Und dazu gehörte es definitiv, Tote wieder zum "Leben" zu erwecken. Zumal er sich fragte, ob sie wirklich wieder "lebte", und immer noch die selbe war wie zuvor? Doch darum würde er sich später kümmern müssen. Genauso wie um Merlins Strafe. Auch da wusste er noch nicht, wie diese aussehen würde, aber dass er eine über ihn verhängen musste, war klar. Er hatte sich seinem Befehl widersetzt, und wenn er ihn jemals wieder in seine Dienste aufnehmen würde, musste er eine Abreibung erhalten. Eine, die sich gewaschen hatte!
Allerdings wusste Arthur auch, dass dies jetzt und hier erst einmal zweitrangig war. Sie hatten einen Kampf vor sich, und was jetzt zählte war, dass Merlin tatsächlich wieder da war. Auch, wenn es ihm immer noch bitter hoch kam, wenn er an sein Vergehen dachte. Und was für einen Sinn sich hinter Leeanas "Wiedergeburt" verbarg, wusste Arthur auch nicht, doch wenn dies eine Wächterin der Zukunft gesehen hatte, dann würde wohl etwas dahinter stecken. Es sei denn, Merlin hätte sich das gerade ausgedacht, um einer Strafe für Leeana zu entgehen? Wobei, erstens traute Arthur Merlin dies eigentlich nicht zu, und zum anderen wusste er auch nicht, weshalb er sie bestrafen musste. SIE hatte sich keiner Straftat schuldig gemacht, im Gegensatz zu ihm...
Doch nun würde er dies erst einmal zurück setzen. Er blickte Merlin an, und sagte schließlich, mit einem immer noch strengen, aber dennoch etwas milderen Ton: "Steh auf! Ich werde später darüber nachdenken, was mit dir geschieht. Jetzt haben wir andere Probleme, wie du sicherlich weißt! Denk aber nicht, dass es für dich ausgestanden ist. Sollten wir diesen Kampf überstehen, der nun unweigerlich folgen wird, und es gelingt uns tatsächlich, die schwarze Hexe zu besiegen, mit der geballten Kraft des Volkes, und der Magie, dann werde ich sicherlich darauf zurück kommen, Merlin!" Und seine Stimme nahm wieder einen härteren Ton an.
Merlin schluckte. Er hatte verstanden, und dies antwortete er auch, nachdem er aufgestanden war: "Ja, Mylord, ich habe verstanden. Darf ich Euch etwas fragen, Sire?" Arthur blickte ihn ebenfalls an und nickte. "Sicher, was?" "Sire, habt Ihr Eurem Volk, und vor allem den Zauberern und Magiern unter ihnen, gesagt, dass sie vor Morgana acht geben sollen? Sie dürfen ihre Kräfte nur mit Bedacht gegen sie verwenden, Ihr wisst wieso..."
Arthurs Augen blitzten, als er ihm das Wort abschnitt: "Nein, das habe ich nicht, und ich denke, du solltest es auch nicht! Wir wollen doch niemanden demotivieren, nicht wahr?" Und sein Ton wurde wieder extrem schneidend.
Bevor Merlin antworten konnte, hörten sie das Wort eines anderen Mannes, der los polterte: "Das habt Ihr Eurem Volk verschwiegen, König Arthur? Wir wissen es, da unser Seher es uns mitgeteilt hat, aber Ihr scheint wohl Eurem Volk nicht so zu vertrauen, wie Ihr es solltet? Wenn wir alle für Euch kämpfen sollen, dann sollten sie auch ALLES wissen!" Arthur und Merlin drehten sich zu dem Aufrührer herum, und sahen, dass es ein Zentaur war. Merlin wusste, dass diese extrem angriffslustig sein konnten. Im Kampf waren sie gut, aber sie waren ebenfalls für ihre Streitlust bekannt, auch, wenn kein Krieg zugange war. Dieser hier schien zudem auch noch lebensmüde zu sein... Elle hatte sich ebenfalls umgedreht, und erkannte in ihm denselben Zentauren, der ihr und Sir Gwain bereits Schwierigkeiten gemacht hatte, bevor Siriana eingegriffen hatte. Nun fing er wohl schon wieder an?
Arthur kniff die Augen zusammen. Das gefiel ihm nicht wirklich. Er hatte sie schon beinahe im Griff, und jetzt kam Merlin, und der Aufruhr begann erneut! In ihm brodelte es. Doch er riss sich erneut zusammen und antwortete: "Also gut, ich sagte schon, es wird nicht einfach sein. Es gibt eine kleine Schwierigkeit, was Morgana betrifft: Sie ist dazu in der Lage, Kräfte zu absorbieren, was im Kampf eventuell schwierig werden könnte. Aber da uns ohnehin keine andere Wahl bleibt, als zu kämpfen, hatte ich mich dazu entschlossen, es nicht zu sagen. Dies soll euch motivieren, nicht demotivieren..." Weiter kam er nicht, denn Margart, der Zentaur, fiel ihm erneut ins Wort: "Oh, und Ihr glaubt, dass es eine Motivation ist, Eurem Volk diese doch sehr bedeutende "Kleinigkeit" zu verschweigen? Und wenn sie ihre Kräfte einsetzen, und dann erst erfahren, was es bedeutet? Ich für meinen Teil weiß immer noch nicht, wie wir eigentlich gegen so eine mächtige Hexe kämpfen sollen; Sphinx hin oder her!" Er grollte immer noch.
Anscheinend wusste er auch über die Sphinx bescheid? Wer weiß, was sie sonst noch alles wussten, aber Arthur wurde es langsam zu bunt. "Jetzt hört mir zu! Ich dulde keinen Aufruhr, hier und jetzt! Wenn wir es nicht wenigstens versuchen, sind wir alle verloren! Auch ihr! Also kämpft! Kämpft, mit allen Mitteln, die euch zur Verfügung stehen! Und ja, ihr müsst vorsichtig sein, mit euren Waffen. Und vielleicht war es ein Fehler, es nicht zu sagen. Auch ich bin nicht fehlerfrei. Aber jetzt wisst ihr es, und wenn ihr vorsichtig mit der Wahl eurer Kräfte umgeht, dann haben wir eventuell eine Chance. Vielleicht in dem Sinne, dass wir sie mit geballter Faust bekämpfen müssen. Wir alle, gemeinsam! Ich weiß auch nicht, vielleicht haben wir wirklich keine Chance - aber ich weiß, dass ich es nicht zulassen werde, dass wir aufgeben. Ich falle für Camelot! Und das verlange ich von jedem von euch! FÜR CAMELOT!" rief er, und hob sein Schwert.
Und langsam schienen seine Worte Früchte zu tragen, denn eine Stimme klang nach der anderen, zuerst die Ritter, die ebenfalls ihre Schwerter hoben, dann die anderen, das normale Volk, die Krieger, auch der eben noch aufrührerische Zentaur, sowie sämtliche Magier und Zauberer riefen wie aus einem Mund: "FÜR CAMELOT!" Und schließlich fielen auch Elle, Leeana, Jade, Gaius und Merlin in den Chorus mit ein.
Apropus Merlin: Er hatte schon die ganze Zeit ein komisches Gefühl in sich. Nicht nur wegen der Angst, Arthur betreffend. Aber etwas kam näher. Er konnte es spüren. Und er wusste, was es war: Morgana, sie kam. Auch Leeana spürte das drohende Unheil. Sie blickte zu Merlin hinauf, und er nickte, beinahe unmerklich. 'Was sollen wir jetzt tun? Es ist soweit', sprach Leeana ihn telepathisch an. 'Kämpfen', antwortete Merlin nur, dann sagte er, an Arthur gewandt: "Sie kommt, Sire, ich kann sie spüren. Noch ist sie nicht hier, aber es wird nicht mehr lange dauern..." Und kaum hatte er das gesagt, spürten sie, wie sich der Wind, der die ganze Zeit um sie herum geweht hatte, kräftiger zusammen zog. Es wurde auch dunkler...
Auch Elle war aufmerksamer geworden; sie spürte das Element Luft, was sich um sie aufzustauen schien. Und auch sie wusste bescheid. Auch, wenn sie nicht wusste, woher Morgana nun die Fähigkeiten der Elemente bekommen hatte - von ihr definitiv nicht - so wusste sie, dass es ihr gelungen war. Sie war um einiges stärker geworden. Und sie war bereit, Camelot, und die anderen Länder, zu vernichten. Doch ihr Hass auf Arthur schien so groß zu sein, dass sie anscheinend zuerst hierher kam. Sie war auf dem Weg, und es würde nicht mehr lange dauern, bis sie da war. Merlin wusste es, und er hatte als erste magische Tat eine Schutzbarriere über sie alle gelegt. Er wusste nicht, wie lange diese halten würde; vielleicht würde es Morgana gelingen, sie direkt in sich zusammen fallen zu lassen. Aber er musste es zumindest probieren. Und dann fiel ihm noch etwas bezüglich Morgana ein... Sollte er es Arthur sagen? Es könnte ihm noch mehr Ärger einbringen, und im Grunde war es eigentlich auch egal. Er würde ebenfalls kämpfen müssen, so oder so. Aber auf der anderen Seite war er es Arthur schuldig. Er wollte nicht noch mehr Geheimnisse vor ihm verbergen. Und so sah er Arthur an, der schon mit seinen Rittern vorpreschen wollte: "Wartet, Sire; ich habe vorab einen Schutz über uns gelegt. Wie lange es dauert, bis Morgana ihn durchbricht, weiß ich nicht, aber ich hoffe, er hält sie etwas ab. Es gibt da noch etwas, was ich Euch sagen muss, Mylord..."
Arthur blickte ihn an. Natürlich war er froh, dass Merlin wenigstens an einen Schutz gedachte hatte, aber etwas an dessen Tonfall ließ ihm erneut die Haare zu Berge stehen. Was kam jetzt wieder? "Was musst du mir sagen, Merlin? Was ist schlimmer, als das, was du schon angerichtet hast?" Merlin schluckte. Er atmete einmal tief durch, dann sagte er es, doch zuvor hatte er Arthur darum gebeten, mit ihm alleine zu reden, so dass niemand sonst anwesend war, vor allem Leeana nicht. Dann sagte er es: "Sire, ich war im Land der Seelen. Beim Tod persönlich, und habe Leeanas Seele erhalten - doch ich musste mit Ihm einen Pakt schließen. Ich habe Ihm Morganas Seele versprochen, dafür, dass er mit erlaubt hat, Leeana mitzunehmen. Das heißt, ich MUSS sie töten. Wenn es mir nicht gelingt, wird der Tod mich erneut zu sich rufen. Mich, und gegebenenfalls auch Leeana.." Er konnte Arthur nicht ansehen.
Dieser war blass geworden, als er begriff, was Merlin ihm da gerade gesagt hatte. Er hatte allen Ernstes einen "Deal" mit dem Tod gemacht? Um Morganas Seele?? Nicht, dass diese ihm leid tun würde, wenn jemand die Hexe tot sehen wollte, dann er. Aber doch nicht so! "Das heißt also, du MUSST sie töten? Oder du wirst erneut sterben? Bist du noch ganz bei Trost, Merlin?" Er schrie ihn beinahe an. "Ich hatte keine andere Wahl, Sire. Und ich weiß, dass ich eine große Verantwortung trage, aber wenn ich gegen Morgana verliere, wenn wir alle gegen Morgana verlieren, sind wir ohnehin tot, dass wisst Ihr! Insofern holt uns der Tod sowieso, Deal hin oder her..."
Arthur blickte ihn an: "Wenn du dir das einreden willst... Ich weiß nicht, was ich mit dir machen soll, Merlin.. Ich dachte wirklich, in den letzten fünf Jahren bist du erwachsener geworden. Das kommt mir gerade definitiv nicht so vor... Wir werden sehen, was geschieht. Jetzt fühle auch ich, dass die Gefahr immer näher kommt. Wir müssen kämpfen. Jetzt! Und ich sage dir, hier und jetzt, dass ich von dir ERWARTE, dass du gewinnst. Du schuldest mir etwas! Und was Leeana angeht: Auch, oder gerade, sie ist stärker involviert, als zuvor. Wenn es wirklich einen Grund gibt, dass sie wieder zurück kehren konnte, außer deiner Verbundenheit zu ihr, dann werden wir es wohl bald sehen. Und wenn nicht... Nun ja, wie es weiter geht, wird davon abhängen, wie dieser Kampf ausgeht. Und jetzt, in Stellung!" Mehr sagte er nicht mehr, sondern ließ Merlin stehen, und ging zu seinen Rittern und seinem Volk.
Merlin spürte es: Der Kampf begann, bald. Der Himmel verzog sich immer mehr, und der Wind um ihn herum wurde stärker. Elle und Jade hatten sich bereits in Stellung gebracht, ebenso die anderen Magier, Zauberer und die Ritter und "normalen" Kämpfer. Elle wäre es zwar lieber gewesen, ihre Schutzbefohlene aus allem heraus zu halten, doch diese hatte ihr zu verstehen gegeben, dass sie nicht fort gehen würde. Sie hatte ebenfalls Kräfte, und würde mit diesen zum Kampf beitragen. Elle hatte eingesehen, dass sie Jade nicht davon abhalten konnte, und so hatte sie das Mädchen wenigstens bei sich. Lediglich Gaius war dazu aufgerufen worden, sich in sein Zimmer zurück zu ziehen, er war zu alt zum Kämpfen, zumal er es auch nicht konnte. Vielleicht würde er später gebraucht werden, um sich um die Verletzten zu kümmern. Doch vorerst ging er, und blickte noch einmal zu Merlin herüber. Dieser lächelte ihm zu, doch er konnte sich nicht groß um ihn kümmern. Er hoffte inständig, dass er später noch einmal die Gelegenheit dazu bekommen würde.
Die Spannung war zu spüren, als Merlin sich nun ebenfalls nach unten begab, neben Leeana, die ihn nur ansah. Sie hatte Angst, das konnte er sehen, und ihm ging es nicht anders. Alles jetzt und hier erinnerte ihn an seine Vision, die ihn überkam, als er Jade berührt hatte. Es war soweit. Morgana kam immer näher...

